Herbsterwachen

Mein erster Sonnenaufgang am Sauerland-Höhenflug - eine Herbststimmung am Gipfel der Kalied, wie ich sie mir schöner nicht hätte vorstellen können. 

by  Kerstin Berens , 05. Oktober 2015

5 Uhr am Freitag früh. Entgegen meiner Natur schäle ich mich aus dem warmen Bett. Die Wettervorhersage und die wunderbaren Tage in dieser Woche haben meinen Entschluss den Wunsch, einmal bei Sonnenaufgang auf der Kalied bei Düdinghausen zu stehen, zu erfüllen, bestärkt. Obwohl ich zu dieser frühen Stunde wieder denke, dass ich diesen verdammten frühen Vogel eigentlich gar nicht leiden kann. Ich habe Respekt vor allen, die jeden morgen um diese Zeit ihren Weg zur Arbeit antreten. Meine Fahrt nach Düdinghausen dauert knapp 1,5 Stunden. Es ist noch dunkel und die sternenklare Herbstnacht hat weißen Raureif in den Tälern gebildet. In der Nähe der Flüsse wabert noch etwas Frühnebel. Gegen halb halb sieben wird die Dunkelheit von den ersten Vorboten des Sonnenaufganges durchbrochen und der Horizont verfärbt sich blutrot. Bin ich etwa zu spät und nicht pünktlich auf der Kalied? Ich werde unruhig, aber schneller fahren ist mit meinem 60 PS-Wagen keine Alternative. Doch ich habe mich nicht verschätzt und komme immer noch im Dunkeln in Düdinghausen an, fahre an der Kirche vorbei und folge der Ausschilderung zum Parkplatz des Naturwegs Kahle Pön. Nach nur ein paar Gehminuten bergauf stehe ich nun auf dem Gipfel, es ist 06:45 Uhr, gefühlte minus 5 °C, ein klalter Wind geht und vor mir liegt die Medebacher Bucht – noch im Dunkeln, aber der rote Schleier am Horizont wächst merklich. Nach einer halben Stunde des Frierens dann endlich - die Sonne noch als kleiner heller Punkt schiebt sich über die Bergkette und die ersten Sonnenstrahlen fallen auf die gefrorene Medebacher Bucht.

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Die Schnelligkeit mit der sich der weiße Feuerball bewegt überrascht mich. Nach nur ein paar Minuten ist die Sonne schon so weit hoch gestiegen, dass mich die Strahlen auf der Kalied erreichen. Die Strahlen tanzen durch die Blätter, lassen lange Schatten entstehen, der Tau glitzert und die Gräser werden in ein goldenes Licht getaucht. Was für eine überwältigende Morgenstimmung! Was für ein Licht! Während die Täler des Vogelschutzgebietes noch mit Tau und Nebel überzogen sind, tauen mich die warmen Sonnenstrahlen langsam wieder auf.

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Aus allen Richtungen und Perspektiven versuche ich diese Herbststimmung mit der Kamera einzufangen. Es dauert nur eine halbe Stunde, dann ist der rote Schleier des Sonnenaufganges und das gedämpfte Licht einem klaren blauen Himmel gewichen, die Sonne steht hoch am Horizont und löst den Frühnebel auf. Auch jetzt ist der Panoramablick grandios. Ich genieße die Herbstsonne, die Ruhe hier oben, die Einsamkeit, die Natur und bin immer noch fasziniert von diesem Naturschauspiel, welches uns täglich begleitet, aber doch viel zu selten mit dieser Intensität erlebt wird. Gegen acht Uhr verlasse ich den Gipfel und folge der Ausschilderung des Naturwegs Kahle Pön. Für mich ist dieser 5 km Rundweg eine kleine Spazierrunde, bei dem der Begriff Naturweg definitiv Programm ist! Denn der Weg verläuft über wunderbare Pfade, über den unter Naturschutz stehenden Gipfel des Kahlen Pöns und durch die Usselner Heide mit einer wunderbaren Panoramaaussicht. Keinem einzigen Wanderer begegne ich um diese Uhrzeit. Stattdessen haben zwei Rehe, ein Feldhase, zwei Kolkraben und ein Eichhörnchen, das mit einer unreifen Haselnuss beschäftigt war, meinen Weg gekreuzt. Was für ein Start in den Tag!

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